In den letzten Monaten habe ich viel an alten PCs herumgeschraubt, war auf LAN-Partys, habe selbst kleine Oldschool-LAN-Partys veranstaltet und irgendwann hatte ich die Überlegung, dieses ganze Feeling von Retro-Gaming und Case-Modding, diese Nostalgie-Vibes für LANs in den 2000ern mal kreativ-künstlerisch als Song zu verarbeiten. 🎵
Und, tja, irgendwie ist mir dieses Projekt völlig eskaliert und so ist im Laufe von Wochen (Monaten?) und mit mega-viel Aufwand nicht nur ein Song entstanden, sondern gleich ein komplettes, abgefahrenes LAN-Party-Hip-Hop-Musikvideo:
LAN-Man - King of Killerspiele (falls das Video hier nicht lädt, gibt's das auch auf Youtube)
Lustigerweise hat mich Hip-Hop früher nicht die Bohne interessiert, aber um die Jugendsprache aus der Ära der LAN-Partys rüberzubringen, ist das genau der Musikstil der Wahl. Schließlich darf es gerne möglichst wie aus jener Zeit wirken.
Allerdings leben wir ja im Hier und Heute und da lag es nah, sich beim Reimen mal von einer KI helfen zu lassen. Funktionierte jedoch so gar nicht überzeugend:
> Reime eine Strophe für einen Hip-Hop Song, bei dem es darum geht, dass der Protagonist zu einer LAN-Party aufbricht und sein Umfeld verständnislos reagiert.
Yo, ich schnapp mein Headset, pack die Maus ins Case,
Familie fragt schon wieder "Warum hängst du nur im Space?"
Kein Plan von meinem Grind, sie checken mein Game nicht,
LAN-Party ruft, Bruder, hier zählt nur das Licht.
Er packt also die Maus ins (Computer-)Case, ja? Gut, da wäre ich auch verständnislos. Und was ist denn "mein Grind" - wer bitte spricht so? Und warum zählt auf einer LAN nur das Licht? Was denn für Licht? 😂
Kurz: das ergibt alles keinen Sinn, was die KI sich da radebrechend zusammenreimt. Also lieber Selbermachen. Dichten fällt mir eh nicht schwer und nach kurzer Zeit konnte ich beim Abendessen dann von meinem Vorhaben berichten und die erste Strophe vorbringen. Ganz großes Kino, wenn zwei Teenie-Töchter am Tisch sitzen ... 🤣
Es ging dann einige Wochen hin und her mit poetischem Wirken, aber schließlich hatte ich endlich einen guten, vollständigen Songtext. Und ein neues Problem: Cypax kann nicht singen (jedenfalls würde das wirklich niemand hören wollen) und musikalisch bin ich jetzt auch nicht hitverdächtig. Auch wenn Hip-Hop nun nicht gerade komplex ist.
Hier allerdings konnte mir KI dann tatsächlich nützlich sein und mit einem Text-to-Musik-Generator (suno.com) und meinen Lyrics entstanden ein paar passable Songs, deren jeweils beste Teile ich dann zum finalen Song zusammengeschnitten habe.
Das ist schon krass, was da inzwischen mit KI und wenigen Klicks machbar ist.
Komplett entglitten ist der Aufwand dann aber bei der folgenden Idee, daraus nun ein Musikvideo zu machen.
Einfach den Song abspielen und dazu ein Bild anzeigen, wäre wahrscheinlich auch schon cool genug gewesen, aber spätestens zu dieser Zeit bin ich völlig in die LAN-Man-Welt eingetaucht und habe unter anderem
einen LAN-Man-Helm aus einem kaputten Monitor samt Spiegelverglasung und Beleuchtung gebastelt
auf der Retro-LAN Szenen für das Video mit der VHS-Kamera gedreht und stundenlang Gameplay auf einem Videorecorder aufgenommen
Hip-Hop-Klamotten für das LAN-Man-Outfit zusammengestellt, inkl. Rapper-Goldkettchen mit Anhänger aus einer Festplatten-Disk
für ca. 3s Video einen Fake-Installer mit Fake-Virus erstellt und einen Fake-Virenscanner programmiert, der entsprechende Funde auflistet
und so weiter und so fort...
Aber das Beste war sicherlich, als ich zu einem Lost Place in den Wald ging (ehemaliges Militärübungsgelände), um funky Hip-Hop-Dance-Szenen zu drehen und da erstmal den Förster abhängen musste, der bei meinem Rapper-Anblick wohl davon ausging, dass ich den Wildschweinen Drogen verticke, seine Bäume bunt anspraye, oder was weiß ich. 🤣
Ich glaube, ich habe durchschnittlich für jede Sekunde Video eine Stunde Aufwand hineingesteckt. Aber es war so eine Gaudi, dass es geradezu schade ist, dass dieses Projekt nun fertig und abgeschlossen ist.
LAN-Man-Helm, Retro-LAN und der Lost Place im Rheinwald, der mit seinen Graffitis eine geradezu perfekte Location für einen Hip-Hop-Dreh war. Und hier noch Socki beim Dreh vor dem Greenscreen.
Jedenfalls habe ich eine Menge über Video- und Audiobearbeitung mit und ohne KI gelernt und jede Menge Spaß und Blödelei gehabt 🤩 - jetzt muss ich nur schauen, dass ich die LAN-Man-Identität wieder ablege und zu normaleren Projekten zurückfinde... 😄
Nachdem wir vom Freiburger Roboterclub im Januar auf dem Vintage Computer Festival in Zürich waren, zogen wir heute erneut los um alten Rechnern und blinkenden Bastelprojekten einen Besuch abzustatten. Diesmal aber nach Solothurn, wo nicht nur das VCF stattfand, sondern gleich auch noch ein ganzes Museum zu Computern, Funk- und HiFi-Geschichte, coolen Autos und noch viel mehr die Nerdherzen höher schlagen lässt.
Jede Menge interessante Exponate und skurrile Bastelprojekte beim VCF im EG des Museums - z.B. Breakout auf winzigen 1cm Bilddiagonale, gesteuert durch einen ATmega.
Und wie bei den Tüftlern im Erdgeschoss, lädt auch die Museumsausstellung in den zwei Etagen darüber zum Anschauen und Anfassen ein:
Links ein Highlight für alle Roboter-Fans; und auch für schöne alte Radios können wir uns ja begeistern. 😊Derweil wurde hier eindrucksvoll dargestellt, was die schöne alte Technik anzurichten vermag, wenn ihr zu heiß wird. Ein, wie ich finde, tolles Ausstellungsstück, das mal nicht von irgendwelchen Daten und Jahreszahlen berichtet, sondern von ganz realen Aspekten der Geschichte.
Wirklich sehr gelungen und begreifbar gemacht ist auch der Ausstellungsbereich mit Nachbildungen verschiedener Räume aus verschiedenen Zeitepochen. Ob Teslas Büro aus achtzehnhundertnochwas, ein Fernsehstudio in den 60ern oder hier, ein Kinderzimmer aus den 80ern/90ern:
(Wobei ich hier einwenden möchte, dass meines damals bei weitem nicht so cool war. 😅)
Und zum Schluss gab es im Keller noch zwei Highlights:
Highlight #1: Eine Ausstellung berühmter Autos aus Film und Fernsehen. Von Batman über Knight Rider und James Bond bis Manta Manta und Herbie.Highlight #2: Das begehbare Archiv des Museums (hier ein Blick in nur einen von vielen Gängen). Inklusive des unverkennbaren Dufts von alter Elektronik, staubigen Röhrenmonitoren und dem Odor von vergessenen Plattenspielern - einfach himmlisch! 🤩
Die weiblichen Mitglieder meines Haushalts wären zwar sicher der Ansicht, dass jenes Museumsarchiv weder optisch noch geruchlich wesentlich vom Zustand unseres Kellers daheim unterscheidbar sei. Dennoch ließ ich nicht die Gelegenheit verstreichen, zum Ausklang des Tages beim VCF-Flohmarkt noch ein paar Grafikkarten und Laufwerke einzusacken. Für meine eigenen nächsten Bastelprojekte ist also auch gesorgt. 😉
Was sollte man lieber nicht online kaufen und sich zuschicken lassen?
Genau, alles was empfindlich oder leicht zerbrechlich ist.
Alte, gebrauchte Röhrenmonitore zum Beispiel. Auf eBay zum Beispiel.
Was hab' ich mir trotzdem Zerbrechliches bei eBay gekauft und zuschicken lassen?
Genau, ...
Nun würden manche wohl sagen, dass der Fehler bereits damit beginnt, überhaupt noch Geld für so völlig veraltete Technik auszugeben - aber das ist ein anderes Thema. 😅
Das Problem bei solchen Gebrauchtkäufen von privat ist vielmehr, dass die meisten Leute nicht fähig oder willens sind, Elektronik sorgfältig zu verpacken.
Da wird dann schon mal die ehemalige High-End-Grafikkarte in Zeitung einschlagen wie toter Fisch, oder die Vintage-Kamera komplett ungepolstert der gnadenlosen Tortur kostenoptimierter Paketzustellung überlassen.
Entsprechend ramponiert kommt so was dann an.
Und entsprechend habe ich einkalkuliert, bei diesem Kauf möglicherweise nur einen Scherbenhaufen zu erhalten.
Wenn der Preis stimmt, kann man das ja mal riskieren, denn zur Not könnte man auch immer noch ein Aquarium aus dem Monitor basteln.
Wäre auch mal ein nettes Projekt.
Aber obgleich das Paket auf einer Seite verhängnisvoll eingedrückt bei mir ankam, blieb dieser Monitor überraschend unversehrt und wohlbehalten.
Dank Omas Handtüchern.
Zumindest vermute ich einfach mal, dass des Verkäufers Großmütterchen vielleicht ins Altersheim oder auf den Friedhof umgezogen ist. Und bei der Haushaltsauflösung wurde der olle Monitor dann mangels anderem Auspolstermaterial eben mit Omas Frotteehandtüchern und Bettlaken für Verkauf und Versand eingewickelt.
So könnte es gewesen sein.
Jedenfalls überstand das gute Teil die Reise weichgebettet und wohlduftend:
Wenn man ein Paket öffnet und es nach Omi-Waschmittel riecht 🤣
Und neben einem schönen Röhrenmonitor bin ich somit nun auch stolzer Besitzer einiger geschmackvoll gemusterter Handtücher, die mir vielleicht noch nützlich sein können, wenn beim Bau einer Wasserkühlung mal was daneben kleckern sollte.
Oder falls die Vogonen in meinem Vorgarten landen.
Neues aus dem Bastelkeller: ich habe mir meinen eigenen Dial-up Internet Service gebaut.
Na, wer erkennt die Anspielung hier?So unscheinbar es aussehen mag, aber diese kleine Black Box enthält ein Modem, einen Minicomputer und eine Telefonanlage.
Die Idee war, sich mit einem PC per Modem "ins Internet einwählen" zu können wie anno dazumal - mitsamt der entsprechenden Geräuschkulisse für extra Nostalgiebonus. 😎
Allerdings gibt es seit dem Breitbandausbau in Deutschland quasi keine Einwahlprovider mehr und außerdem soll der Spaß ja auch keine Telefonkosten verursachen.
Also Selbermachen. Das Konzept dabei ist folgendermaßen:
Ein Raspberry Pi Minicomputer hat über WLAN Zugang zum Internet. Über einen USB-Adapter ist er mit einem alten Telefonmodem verbunden.
Wählt ein Windows-PC über sein Modem das Modem des Raspberry Pi an, so soll dieses den Anruf annehmen und der Raspberry Pi soll über seine WLAN-Schnittstelle Zugang zum Internet gewähren.
Nun kann man aber nicht einfach zwei Modems per Kabel miteinander verbinden. Es braucht ein Telefonnetz mit den richtigen Spannungspegeln, Freizeichen, Rufsignal, etc.
Wer überhaupt noch analoge Telefonanschlüsse hat, könnte hierfür die heimische Telefonanlage bzw. Fritzbox verwenden.
Aber weil ich es gerne unabhängig von der Hausinstallation wollte, übernimmt den Part des Telefonnetzes in diesem Projekt eine Eumex 504. Eigentlich eine ISDN-Anlage, aber mit vier Nebenstellenanschlüssen für Telefone/Modems, die sich auch untereinander anrufen können, ohne dass es dafür eine Verbindung von der Eumex in die weite Welt bedarf.
Zuerst jedoch habe ich das Modem für den Raspberry Pi von seinem Gehäuse befreit und in ein etwas geräumigeres Leergehäuse gepackt:
Praktischerweise kann man sich von der Modemplatine 5V für den Raspberry Pi abzwacken, so dass dieser kein eigenes Netzteil benötigt:
Damit in das Gehäuse neben Modem und Raspberry Pi auch noch die Platine der Eumex-Telefonanlage hineinpasst, musste ich diese ein kleines bisschen anpassen: erst musste die Buchse für ISDN abgelötet werden (braucht es eh nicht mehr) und dann, mit ruhiger Hand und 100% Konzentration in einer kleinen Operation an den Ecken noch ein paar Stücke Platinenmaterial wegsägen. Natürlich nur da, wo keine Leiterbahnen verlaufen.
Die Operation glückte jedenfalls und nun fand alles seinen Platz:
Beim ersten Probelauf der Elektronik im neuen Gehäuse kam allerdings keine Verbindung zustande zwischen dem Pi-Modem und einem einwählenden Windows-Modem. Nach einiger Fehlersuche war das Problem dann klar: das Modem für den Raspberry Pi hatte ich nur mit Sende- und Empfangsleitung (TX & RX) an der seriellen Schnittstelle des Pi angeschlossen. Benötigt werden aber auch die anderen Signale einer RS232-Verbindung (DTR, RTS, CTS, ...). Also bekam der Pi für den Anschluss an sein Modem noch einen vollwertigen USB-nach-RS232-Adapter spendiert:
Dieser Adapter passte allerdings nur nach Entfernen seines Gehäuses und Steckers noch zwischen Modemplatine und Eumexplatine.
Und beim Ablöten des Steckers habe ich prompt ein paar von dessen Lötpads von der Platine abgerissen. 😬
Zur Verbüßung dieser Untat war ich also anschließend noch eine gute Weile mit Lupe und Fädeldrahtlöterei zum Reparieren dieses Malheurs beschäftigt. 🙈😅
Softwareseitig ist das Projekt weit weniger aufwändig und basiert im Wesentlichen auf mgetty, PPP und iptables. Wer mag, kann ja mal ChatGPT fragen, wie man das einrichtet. So habe ich es nämlich auch gemacht.
Jedenfalls hat es dann mit dem USB-Adapter funktioniert, und wenn ich nun den Windows-Rechner mein Fake-AOL wählen lasse,
dann komme ich ins Internet wie anno dazumal.
So einfach geht das. 🤣
Da die Eumex vier Anschlüsse für Telefone oder Modems hat und ja nur einer für das Pi-Modem gebraucht wird, werde ich die anderen drei nun noch nach außen führen, so dass man bis zu drei alte PCs via Modem anschließen kann (wobei natürlich nur jeweils einer so online gehen kann).
Oder man schließt noch zwei Telefone an, für maximales "vintage Teamspeak" auf einer LAN-Party ☎😎