Musik auf Rädern

Es ist erst dann ein Wohnmobil, wenn ein Plattenspieler drin ist, richtig? Gut, dass wir das geklärt hätten.
Plattenspieler im WohnmobilPlattenspieler im Wohnmobil
Es ist von unten mit dem Regalbrett verschraubt - da kann also nichts passieren.
Ich sollte aber vor jeder Fahrt daran denken, den Tonarm zu arretieren. Sonst wird da schnell eine neue Nadel fällig werden.
Weil das Ganze seine Alltagstauglichkeit nun erst noch unter Beweis stellen werden muss, ist das kein Top-Gerät, sondern irgendeine billige No-Name-Kompaktanlage von Quelle/Neckermann/Otto von anno dazumal. Überlebt sie Hitze, Kälte und Gerüttel nicht, dann wäre es also kein großer Verlust. Entsprechend werde ich zunächst auch nur alte Flohmarktplatten auf Urlaubsfahrt mitnehmen. Das Doppel-Kassettendeck wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Zusammen mit den beiden Autoradios sind jetzt vier Kassettenlaufwerke im Auto eingebaut, was tatsächlich leicht übertrieben ist. Was so gesehen aber wohl auch niemand toppen wird. Unnötig zu erwähnen, dass Schallplatte abspielen während der Fahrt keine gute Idee wäre. Insofern ist es keine Einschränkung, dass die Anlage nur mit Netzstrom läuft. - Es sei denn, ich schließe sie an den Wechselrichter an. Mit gemessenen 8W im Betrieb ist die Leistungsaufnahme ja sehr gemäßigt. Ich kann es mir so richtig gut vorstellen, wie in Bella Italia die Sonne über'm Meer untergeht, während zu einem Glas Pinot Grigrio im Hintergrund Eros Ramazzotti stilvoll von der Platte knistert. 🎶😎🎶

40 Jahre Dornröschenschlaf

Bei eBay-Kleinanzeigen habe ich beim Stöbern wieder mal was gefunden. Und was für ein schönes Schätzchen! Ein Telefunken Stereo-Center 3001! Radio mit Plattenspieler! Uuuuund: es liegt seit Jahrzehnten nahezu unangetastet in seinem Originalkarton! Das ist so aufregend - ich komme mir gerade vor wie Howard Carter an Tutanchamuns Grab 😀
Karton Telefunken 3001
Jahrzehntelang unberührt
Das Telefunken Stereo-Center 3001 stammt aus 1978/79 und ist damit tatsächlich sogar älter als ich. Hat sich allerdings sichtlich besser gehalten:
Telefunken Stereo-Center 3001
Kein Kratzer, keine Schramme, nichts!
Auf die Frage, wie es kommt, dass ein über 40 Jahre alter Plattenspieler noch in seinem Originalkarton liegt, erfuhr ich von der Verkäuferin, dass ihr Opa das gute Stück nie in der Wohnung aufgestellt hatte sondern offenbar aus unerfindlichen Gründen mitsamt Verpackung in den Keller geräumt hat und da dann wohl schlicht vergessen hat. (Ja, ich gebe es zu: Ähnliches ist auch in meinem Keller nicht völlig ausgeschlossen.) Es sieht vom Gesamtzustand jedenfalls aus, wie mal kurz ausprobiert und dann ad acta gelegt. Nun weilt besagter Opa nicht mehr unter uns und die Enkelin hat mit Schallplatten nicht mehr viel am Hut. Und hat auch keinen Platz in der Wohnung für so ein doch recht voluminöses Tonmöbel. - Glück für mich! Meiner Meinung nach einfach ein sagenhafter Fund! Nach so langer Zeit noch so gut erhalten, das kommt nicht oft vor. Seht euch nur das ganze Zubehör an:
Antenne
Radioantennen
Plattenreiniger
Reinigungsutensilien für den Plattenspieler
Garantiekarte
Die Garantiezeit dürfte wohl abgelaufen sein
Stimmgabel
Verkaufsetikett und Stimmgabel.
Beschriftung auf deren Rückseite: Die Telefunken-Stimmgabel - das Symbol für Klanggenuß, Präzision und Zuverlässigkeit.
Zubehör
Alles noch in originaler Verpackung
Sogar etwas Warteschleifenmusik hat Opa der Nachwelt hinterlassen:
Schallplatte Mozart
Laut Prägung auf der Platte von 1968.
Das Weltempfängerradio funktioniert wortwörtlich "out of the box" noch wie am ersten Tage.
Schallplatte Mozart
Ein fantastisches Design! Schade nur, dass auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle heute immer weniger Rundfunk betrieben wird.
Der Plattenspieler, ein DUAL 1225, brauchte nach mehr 43 Jahren Stillstand allerdings ein wenig Zuneigung. Das Fett, welches die Mechanik schmiert, trocknet im Laufe der Jahre aus und wird dann zäh wie Baumharz.
Altes Fett
Solche Stellen müssen allesamt demontiert, entfettet und neu geschmiert werden.
Altes Fett
Ganz schlimm war es um diese Achse bestellt. Das einstige Fett ist zu einer krümelig-klebrigen Masse geworden und ein Bewegen des gelben Zahnrades war kaum mehr möglich.
Die Wartung des Plattenspielers nahm gut einen Nachmittag in Anspruch, aber nun läuft auch dieser wieder wie einstmals. Nur die Tonnadel hab ich abgebrochen. Wieder mal. Bei jeder Plattenspielerreparatur denk ich mir, das geht schnell und fix, da brauch die Nadel nicht mal vorher abmachen - und dann bums ich damit natürlich irgendwo dagegen und das war's dann. Jedes. Verdammte. Mal. Notiz an mich: mach das nächste Mal bitte einfach das verfluchte Ding vorher ab! Nun ja, Ersatznadeln sind bestellt. Sobald die eintreffen soll das gute Stück einen Ehrenplatz im Wohnzimmer bekommen. Da steht bislang noch kein Vintage-Hifi und das kann ja nicht sein. Opa würde sich sicherlich auch freuen.

Für den Ehrenplatz im Wohnzimmer habe ich ein schönes Regal aus einer alten Holzkiste gebaut: Regal aus alter Kiste
Mit Fach für ein paar Platten:
Fach für Schallplatten