Auch Kleinigkeiten summieren sich

Zwar habe ich neulich den großen Wassertank im Wohnmobil mit Chlorreiniger mal richtig gründlich sauber gemacht, aber ob man da nun in jeder Situation immer sein Trinkwasser von zapfen mag, muss man im Zweifelsfall dann schauen. Darum habe ich zusätzlich noch einen herausnehmbaren 15l-Wassertank in den Küchenunterschrank gebaut.
15l WassertankWasserhahn im Wohnmobil
Mit separatem Trinkwasserhahn am Spülbecken
Ganz praktisch dort ist, dass der Wasserschlauch ganz kurz bleiben kann und nahezu senkrecht verläuft. So bleibt da kein abgestandenes Restwasser stehen. Für Kind #3 habe ich außerdem eine eigne Schlafmöglichkeit geschaffen, ohne dass man abends die halbe Inneneinrichtung umbauen muss. Im original Dethleffs A642 kann man den Tisch absenken und erhält mit den beiden Sitzbänken dann eine durchgehende Liegefläche. Aus den Sitzbänken kann man zudem ca. 20 cm breite Verlängerungen in den Flurbereich ausziehen, damit die Liegefläche noch etwas breiter wird. Bei der vorderen Sitzbank habe ich dies so umgebaut, dass man da nun satte 50 cm herausziehen kann. Ein Kind kann so nun quer liegen, ohne dass man den Tisch umbauen muss.
Dethleffs A642 Kinderbett
Ergibt 65 x 155 cm Liegefläche
Damit die Konstruktion hält, klappt man einfach zwei schlanke Stahlbeine herunter. Eine IKEA-Matratze habe ich mir zurecht geschnitten und den zugehörigen Bezug umgeschneidert, um das fehlende Stück im ausgezogenen Zustand des Kinderbetts auszufüllen. Und weil man an das Staufach unter der Sitzbank nun noch umständlicher kam, als ohnehin schon, habe ich von der Seite einen Zugang geschaffen, um dort künftig z.B. die ganzen Schuhe, die sonst immer im Eingangsbereich herumliegen, unterzubringen.
Fach für Schuhe unter Sitzbank
Sieht aus, als wäre es schon immer so gewesen.
An Kleinigkeiten habe ich noch einen eigenen Schalter für die Tauchpumpe installiert, damit man zum Entleeren der Schläuche im Winter die Wasserhähne aufsperren kann, ohne gleich die komplette 12V-Versorgung vom Aufbau trennen zu müssen. Und einen zweiten Feuerlöscher habe ich angebracht, der hinter dem Beifahrersitz seinen Platz findet. Die üblichen Kfz-Feuerlöscher sind von ihrer Größe her meiner Meinung nach ein Witz - damit kann man einen Brand allenfalls im Anfangsstadium löschen. Wer mal ein brennendes Auto gesehen hat, versteht was ich meine. Mit dem ganzen Zeug der letzten Zeit und der gründlichen Behebung der alten Wasserschäden war ich jetzt neugierig, was der Dicke denn nun so an Leergewicht auf die Waage bringt und habe mal mit einer Fahrzeugwaage, bei der man nacheinander mit jedem Rad langsam drüber rollt gemessen:
Leergewicht
Stolze 3090 kg sagt das Resultat 🤔 Also entweder ich habe mich vermessen, was angesichts der Messmethode nicht komplett abwegig ist, oder auch Wohnmobile legen zu Lockdown-Zeiten gern mal etwas an den Hüften zu. Leergewicht bedeutet hierbei
  • Vollgetankt
  • Wassertanks und Abwassertank leer
  • WC-Spülwassertank voll, WC-Abwassertank leer
  • Fahrradträger montiert, aber ohne Räder
  • Ein paar Dosen Ravioli und sonstige Essensachen an Bord
  • Ein paar Bücher und sonstige Überbleibsel vom letzten Urlaub an Bord
  • Komplette Campingausrüstung (Tisch, Stühle, etc.)
  • Eine Gasflasche voll, eine bald leer
  • Ersatzrad und großes Set an Werkzeug + Wagenheber
Mit etwas Reserve hieße das, noch jeweils ca. 150 kg Zuladung auf Vorder- und Hinterachse möglich. Hm, einerseits ist das Wiegen mit der Überfahrwaage natürlich nur eine etwas bessere Schätzung, andererseits sollte ich mal kritisch durchgehen, wo überall Potential zum Abspecken wäre. Ein Beispiel ad hoc wäre, den großen Rangierwagenheber durch eine leichtere Alternative zu ersetzen.

Schrauben, Schweißen, Grillen - Männerurlaub

Wohnmobil-Stillleben
"Stillleben mit Blech und Werkzeugen"
uns bekannter Künstler, ca. 2021
Während halbwegs normale Leute über Pfingsten den ersten halbwegs normal möglichen Urlaub seit Monaten zum Füße hochlegen nutzten, habe ich mal wieder ein paar tausend Euro in das Wohnmobil investiert - in Form von Arbeitsleistung. Statt zum Ausspannen an Nordsee, Bayrischer Wald oder Allgäu fuhr ich zu meinem Onkel bei Bielefeld und habe dort knapp zwei Wochen lang an meinem vierrädrigem Dickschiff gewerkelt.
Grillspieße
Das bot sich gleich aus mehreren Gründen an. Erstens wohnt mein Onkel allein und etwas außerhalb auf dem Lande, wo es niemanden stört, wenn man den ganzen Tag Krach macht. Zweitens ist er auch so eine Art Peter Lustig, tüftelt auf seinem Hof an allen möglichen Dingen herum und hat folglich immer das passende Werkzeug und den rettenden Tipp parat. Und letztlich hat er ebenfalls eine Affinität zu Grills und Öfen und kann sich auch tagelang von Wurst, Steak und Baguette ernähren. Optimale Bedingungen also.
Altes Kinderfahrrad
Und außerdem habe ich als Kind dort viele Ferienzeiten bei meinen Großeltern verbracht und jede Menge schöne Erinnerungen daran. Mit dem Rad hier im Bild etwa, bin ich vor 30 Jahren quer über die Felder gebrettert, die Böschungen runter gesprungen und habe Wildhasen nachgejagt. Gegenwärtig sieht das Rad etwas angerostet aus - scheint so, als ob die Hasen heuer gar mit Leichtigkeit gewinnen würden.
À propos etwas angerostet - der Anlass für meinen Besuch waren die Schweller am Ducato. Die sahen auf den flüchtigen Blick nicht mehr ganz tadellos aus und bevor der TÜV bei nächster Gelegenheit seinen Schraubendreher da irgendwo skeptisch durch den Rost steckt, behebt man das besser vorab selber. Und die Ölwanne ist auch so ein Rostmocken, da juckt es mich schon allein aus ästhetischen Gründen schon lange in den Fingern, etwas dagegen zu tun. Da die erste Woche aber saumäßiges Dauerregenwetter herrschte, beschränkte ich mich zunächst auf andere Baustellen. Zum einen war da der Ansaugschlauch des Turboladers, welcher einen Riss hatte.
Riss im TurboladeransaugschlauchTurboladeransaugschlauch repariert
Kaputter und reparierter Ansaugschlauch.
Bei Osterhenne hat man den Luftschlauch an genau gleicher Stelle mal aus Reststücken nachgebaut - ich ging einen anderen Weg und habe die beschädigten Stellen zuerst rundum mit rissüberbrückender, faserverstärkter MEM-Dichtmasse dick eingepinselt und anschließend mit der normalen Dichtmasse, ohne Fasern, nochmals versiegelt. Diese Dichtmasse basiert auf Silyl modified polymers und sollte somit auch die Temperaturen nahe des Motors vertragen. 600 km während 8h Fahrt bei Außentemperaturen zeitweise knapp unter 30° haben jedenfalls keine Auffälligkeiten am so reparierten Schlauch hinterlassen. Falls langfristig doch mal was sein sollte, schreibe ich das hier in den Blog... Was mich schon länger etwas gestört hat, war dass die Stoßstange vorne leicht schief saß und der Ducato darum ein bisschen ein Gesicht zog wie Sylvester Stallone. Das haben wir auch beseitigt.
Front Dcato 290
Stoßstange wieder gerade
Und weil es dann immer noch Mistwetter hatte, habe ich noch einen kleinen tragbaren Fernseher als Ersatz für den Flachbildschirm der Rückfahrkameras eingebaut. Am Heck habe ich zwei Kameras. Die eine sieht direkt nach unten und hilft beim Rangieren, während die andere auf den Horizont gerichtet ist und eher dazu dient auf der Autobahn den rückwärtigen Verkehr ein bisschen im Auge zu behalten. Der Flachbildschirm, der dazu mitgeliefert wurde, passt vom Stil her aber so gar nicht in das Fahrerhaus vom Ducato. - Ich denke dabei auch schon ein bisschen in Richtung H-Kennzeichen und an "zeitgenössische Inneneinrichtung". Also habe ich zuerst ausprobiert, ob der mein alter Mini-Röhrenfernseher grundsätzlich mit den Kameras klar kommt und ein brauchbares Bild liefert, was er anstandslos tut. Dann kam ich auf die Idee, sein silbernes Gehäuse schwarz zu lackieren, damit das nicht auf der Windschutzscheibe spiegelt und beim Fahren stört. Allerdings lief das gar nicht wie gewünscht. - Lackieren ist ohnehin nicht meine liebste Beschäftigung, aber hier reagierte die schwarze Farbe auch noch mit der Originallackierung und bildete Orangenhaut. 😖 Meh. Also alles nochmal Abwischen, Sandstrahlen, Saubermachen, Entfetten, Grundieren und Lackieren. So kann man auch seine Zeit verbringen. Das Endergebnis ist jetzt natürlich nicht optimal, aber einstweilen ok. Vielleicht schnapp ich mir das Mistteil irgendwann nochmal und mach es richtig.
RöhrenmonitorRöhrenmonitorRöhrenmonitor
Erste Versuche mit dem Kamerabild, die fehlgeschlagene Lackierung und schließlich Einbau auf dem Armaturenbrett
Das Halteblech für das Reserverad hatte ich zwischendurch auch lackiert; dieses ging hingegen wunderbar und macht jetzt wieder einen hübschen Eindruck:
Reserveradhalter
Das Reserveradhalteblech musste ohnehin raus um besser an den Ansaugschlauch zu kommen und dann kann man es nebenbei auch schnell mal ein bisschen schön machen.
Tja, und dann wich der Dauerregen endlich eitel Sonnenschein und ich konnte mich an das Hauptanliegen machen - die Schweller, bzw. Einstiegsbleche. Und Junge, wie habe ich das unterschätzt! 😲 Zuhause sah das nur nach ein bisschen eher oberflächlichem Rost aus, der minimal-invasiv behebbar sein müsste. Und nur rein prophylaktisch hatte ich zuvor trotzdem mal Schwellerbleche bestellt, weil das Set schlappe 10,- kostete und weil Haben stets besser als Brauchen ist. Wie sehr es gebraucht werden würde, ahnte ich da noch nicht. Zunächst mal musste allerdings der Teppich im Fahrerhaus raus und damit quasi die komplette Fahrerhauseinrichtung bis auf das Armaturenbrett. Das bedeutet: Sitze raus, Sitzkonsolen raus, Wassertank raus und Boiler raus. Das war zwar aufwendig, aber nicht ganz unerwünscht, weil ich so die Gelegenheit bekam mal den uralten Beifahrergurt auszutauschen (wegen dem Wassertank kommt man da sonst nicht gut ran) und auch mal unter den Sitzen richtig sauber machen konnte. Das, was dann da unter den Sitzen an Rost zum Vorschein kam, war aber etwa um Faktor 10 schlimmer als erwartet. Und zwar auf beiden Seiten des Fahrzeugs.
Leeres FahrerhausLeeres Fahrerhaus
Ausgeräumtes Fahrerhaus und ungeschönter Blick auf die Bleche
Fahrer- und Beifahrersitz sind auf Sitzkonsolen montiert, welche je mit 4 Schrauben am Fahrzeug befestigt sind. Die beiden weiter in der Fahrzeugmitte liegenden Befestigungspunkte waren einwandfrei, an den Fahrzeugaußenseiten allerdings gab es arge Durchrostungen. Bei einem kräftigen Auffahrunfall wären die Sitze wahrscheinlich herausgerissen. 😬 Gut, dass das nun behoben ist.
Leeres Fahrerhaus
Kuriositäten am Rande: unter den Sitzen fand ich Eintrittskarten zu den "staatlichen Schlössern Rheinland-Pfalz" (DM 1,50 pro Person), ein rostiges Taschenmesser und eine Mark. Von 1990. Archäologen nennen so was ja eine Schlussmünze.
Bei den weiteren "Ausgrabungen" mit Druckluft-Nadelentroster und Drahbürstenflex zeigt sich aber auch Glück im Unglück - keine tragenden Teile waren marode und ebenfalls ganz wesentlich: die Fahrgestellnummer war lediglich oberflächlich angerostet. Das Drama, wenn diese nicht mehr lesbar wäre, mag ich mir lieber gar nicht erst ausmalen.
Fahrgestellnummer Ducato 290
Alles was rostig ist großzügig rausgeschnitten. Man könnte ein Plexiglas einsetzen, dann hat man beim Fahren Blick auf den Boden wie im Hubschrauber. 🚁😆
Das Stück Blech mit der Fahrgestellnummer ist allerdings heiliger Grund und muss unbedingt erhalten bleiben - daher die ungewöhnliche Aussparungsform.
Eine weitere, bereits werksseitig verbrochene, Kuriosität ist die Befestigung der Sitzkonsolen. Diese sind in der Fahrzeugmitte mit dem Fahrgestell montiert. Da auf den Außenseiten, zu den Türen hin, unter den Sitzkonsolen jedoch kein Fahrgestellträger verläuft, gibt es dort unter dem Fahrhausbodenblech stattdessen jeweils ein dickes, breites U-Profil. Nach vorne läuft das Profil flach aus und liegt auf einem Querträger; soweit so gut. Nach hinten allerdings endet es einfach sinnlos und frei hängend in der Luft. FIAT = Für Italiener Ausreichende Technik, meint der Onkel dazu. 😅
U-Profil unter Sitzkonsole
Das Bild zeigt das die Unterseite des U-Profils der Beifahrerseite mit der links in Fahrrichtung auslaufenden Verflachung, mittig den aufgeschweißten Muttern für die Befestigung der Sitzkonsole und rechts gestrichtelt, wie FIAT es einfach ein kleines Stück hätte länger machen können um es am Querträger unter der Fahrerhausrückwand solide zu befestigen...
U-Profil unter Sitzkonsole
... und wie wir es mit unseren eigens neu angefertigten U-Profilen dann auch getan haben.
Nachdem wir also auch das besser wiederhergestellt haben, als es je zuvor war, ging es an die Schwellerbleche. Da war auch einiges neu aufzubauen und erstmal diverses Gemurkse der Vorbesitzer zu entfernen.
Schwellerbleche
Gut, dass ich im Vorfeld die Reparaturbleche besorgt hatte - auch wenn die noch ein bisschen zurechtgebogen werden mussten.
Schweißpunkte
Na, da hab ich doch mal schöne Schweißpunkte gesetzt. Da würde sich der TÜV freuen!
Die neuen Bleche anzupassen und einzuschweißen war dann auch eine reichlich zeitintensive Aktion. Dank der Auffahrrampen, die mir mein Onkel geschenkt hat, ging das zumindest ohne allzu akrobatische Verrenkungen unter dem Wagen. Einen ganzen Tag lang haben wir dennoch zu zweit daran geschafft - jeder eine Fahrzeugseite. Ohne Unterstützung wäre es mir zeitlich echt etwas knapp geworden. Schließlich galt es für mich ja anschließend auch alles ordentlich zu verspachteln, zu versiegeln und zu grundieren.
SchwellerSchweller
Fahrer- und Beifahrerseite nach dem Grundierungslack
Zum Versiegeln der Spalten und Fugen habe ich Korroflex genommen. Hat man sich daran gewöhnt, dass es sehr dünnflüssig aus der Tube kommt und man den genauen Zeitpunkt abpassen muss um es anschließend zu glätten, dann ist das ein ganz passables Zeug. Das Glattziehen gelingt am besten mit dem blanken Finger, den man zuvor mit Verdünner benetzt. Das ist nun wahrlich kein Hautpflegemittel, aber mit Handschuhen fehlt einfach das notwendige Fingerspitzengefühl bei der Sache. Andere waschen ihre Hände in Unschuld, ich nehm gleich Nitroverdünnung. 😁
Wassertank Dethleffs A642Sitzkonsolen Ducato 290
Während Spachtelmasse, Versiegelung oder Farbe an den Schwellern trocknen, bleibt etwas Zeit sich um die Reinigung des Wassertanks zu kümmern oder den Sitzkonsolen einen neuen Anstrich zu gönnen.
Tja, uff! Wieder mal sehr viel anstrengender und zeitraubender als gedacht war das alles. Eines der durchgerosteten U-Profile habe ich mit nach Hause genommen, damit man mir abkauft, dass ich tatsächlich zwei Wochen schwer am Arbeiten war und nicht nur die Füße am Grillfeuer hochgelegt habe. 😅 Allein im Fahrerhaus wieder Tank, Boiler und Sitze zu montieren nebst allen Schäuchen und Kabeln dauerte nochmal einen ganzen Tag. Zum Ölwanne hübsch machen und zum Dach Streichen war am Ende somit keine Zeit mehr über. Aber die wirklich wichtigen Punkte sind abgearbeitet, die Sitze wieder solide und stabil fest und eine schöne Zeit war's auch. Das ist doch mal was.
Wohnmobil auf Autobahnparkplatz
Auf der Heimreise am Rastplatz.

Musik auf Rädern

Es ist erst dann ein Wohnmobil, wenn ein Plattenspieler drin ist, richtig? Gut, dass wir das geklärt hätten.
Plattenspieler im WohnmobilPlattenspieler im Wohnmobil
Es ist von unten mit dem Regalbrett verschraubt - da kann also nichts passieren.
Ich sollte aber vor jeder Fahrt daran denken, den Tonarm zu arretieren. Sonst wird da schnell eine neue Nadel fällig werden.
Weil das Ganze seine Alltagstauglichkeit nun erst noch unter Beweis stellen werden muss, ist das kein Top-Gerät, sondern irgendeine billige No-Name-Kompaktanlage von Quelle/Neckermann/Otto von anno dazumal. Überlebt sie Hitze, Kälte und Gerüttel nicht, dann wäre es also kein großer Verlust. Entsprechend werde ich zunächst auch nur alte Flohmarktplatten auf Urlaubsfahrt mitnehmen. Das Doppel-Kassettendeck wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Zusammen mit den beiden Autoradios sind jetzt vier Kassettenlaufwerke im Auto eingebaut, was tatsächlich leicht übertrieben ist. Was so gesehen aber wohl auch niemand toppen wird. Unnötig zu erwähnen, dass Schallplatte abspielen während der Fahrt keine gute Idee wäre. Insofern ist es keine Einschränkung, dass die Anlage nur mit Netzstrom läuft. - Es sei denn, ich schließe sie an den Wechselrichter an. Mit gemessenen 8W im Betrieb ist die Leistungsaufnahme ja sehr gemäßigt. Ich kann es mir so richtig gut vorstellen, wie in Bella Italia die Sonne über'm Meer untergeht, während zu einem Glas Pinot Grigrio im Hintergrund Eros Ramazzotti stilvoll von der Platte knistert. 🎶😎🎶

Es ist vollbracht: 3500 kg!

FahrzeugscheinUff! Das Wohnmobil hat die Auflastung auf 3,5 Tonnen bekommen. Endlich! Es war ein langer, langer Weg dahin. Alles fing damit an, dass ich letztes Jahr mal aus reiner Neugier heraus das Leergewicht gewogen habe. Das war ernüchternd. Im campingbereiten Zustand, also mit etwas Frischwasser, zwei Gasflaschen und Campingmöbeln an Bord, war die verbleibende Zuladung bis zum zulässigen Gesamtgewicht von 2,8 t weniger als 300 kg.
Das ist nicht gerade übertrieben üppig für vier Personen mit Gepäck. Zumal ich irgendwann noch Solar auf's Dach montieren möchte, was ja auch wieder ins Gewicht fällt. Auch die Behebung der Wasserschäden hat das Fahrzeug sicherlich nicht leichter gemacht. Solides Holz ist halt schwerer als vermodertes und all die Dichtmasse und Farbe trägt in Summe auch was bei. Kurz: da ist etwas mehr Tragfähigkeit wünschenswert. Für den Ducato gibt es da zum Glück durchaus Möglichkeiten. Der gebräuchlichste Weg ist der Einbau einer zusätzlichen Luftfederung an der Hinterachse. Nur wenige Spezialfirmen bieten dies auch noch für die alten Ducatos der ersten Generation an. Vom Fiat Ducato gab/gibt es bei jedem Typ ab Werk mehrere Varianten (Q10 bis Q18), die sich hauptsächlich in Fahrwerk, Radgröße, Bremsen und Motorleistung unterscheiden und damit in der möglichen Zuladung. Wobei der Q18 - auch genannt Maxi - in dieser Hinsicht das Spitzenmodell darstellt. Mein Q14 entspricht erfreulicherweise dem Q18 bereits weitgehend: 16"-Räder auf robusten Stahlfelgen, große Scheibenbremsen vorne und kräftiger 2,5l Turbodiesel. Fehlte also nur noch eine stärkere Trommelbremse an der Hinterachse, welche ich im Februar einbauen ließ. Nun ist die Technik bei alten Fahrzeugen zwar insgesamt vielleicht etwas einfacher gestrickt, wird mit zunehmenden Alter aber manchmal aber auch etwas eigenwilliger. So musste ich leider zweimal Bremsschläuche und -zylinder nachbessern lassen, bis alles zufriedenstellend war. Immerhin: die Bremsleistung ist jetzt spürbar viel besser, als zuvor. Auch wenn das Oldi-Mobil natürlich weiterhin beim Bremsen mehr Typ Güterzug als Rennwagen bleibt. ... Gut, andererseits ist man per Wohnmobil ja auch gemütlicher unterwegs als mit Typ Rennwagen. Nicht zuletzt wegen Corona hatte sich die Geschichte bis hier schon reichlich in die Länge gezogen, doch nach Ostern war es endlich soweit, dass ich mit meinem Wagen zur Firma Lineppe ins ferne Ennepetal fahren konnte. (Man muss bei diesen Namen echt immer, aufpassen die richtige Anzahl n's und p's zu schreiben) Termin am Montag um 08:00. Uff! Tja, in diesen Zeiten muss man nehmen, was man kriegen kann. Da fährt man dann natürlich am Vortag schon hin. Mit der Konsequenz aber, dass ich wieder mal irgendwo auf einem Werksgelände mitten im Gewerbegebiet übernachten durfte. Meh. Und weil sie dort gerade eine Bundesstraße erneuern und der Verkehr darum quer durch den Ort umleitet wird, fuhr die Blechlawine die ganze Nacht durch keine fünf Meter von mir entfernt vorbei. 😖 Die Montage tags darauf war dann unproblematisch, dauerte aber bis nachmittags. In weiser Voraussicht habe ich darum das E-Bike mitgenommen. Nicht vorausgesehen hatte ich aber, dass die dortige Topographie nicht unbedingt radtourentauglich ist. Der Ort liegt tief eingeschnitten im Tal. An jeder beliebigen Kreuzung geht es entweder steil bergab oder steil bergauf. Das mögen weder Wohnmobile noch E-Bikes. Und während im schönen Breisgau bereits der Sommer Einzug hielt, fiel in Ennepetal noch Schnee. Brrr. 🥶
Überfrorender Sattel
Muss erstmal mit viel Arschwärme aufgetaut werden
Ich habe trotzdem einen Ausflug zur nahegelegenen Talsperre gemacht, auf die Hochebene und in den nächsten Ort. Netterweise stellte die Firma ihren Kunden eigens auch beheizte Gartenhäuschen auf den Hof. Da lässt es sich sonst auch eine Weile aushalten. Ist da drin nur ein bisschen eintönig auf Dauer. Man könnte vielleicht noch ein Bild aufhängen oder so.
Gartenhaus für Kunden
Dank Elektroheizung auch bei widrigem Wetter gemütlich - Gartenhaus für die Lineppe-Kunden
Wegen Corona ist ja kein Aufenthalt im Firmengebäude möglich. Und Shopping-Bummel in der Stadt oder ein Ausflug in die Schauhöhle fallen aus selbem Grund ebenfalls komplett aus. Auf der Heimfahrt durfte ich dann bereits die Pluspunkte der Federung im Fahrverhalten feststellen. Keine prekäre Schieflage mehr bei zügigerer Kurvenfahrt und kein Hin- und Herschwanken, wenn mich ein Sprinter auf der Autobahn überholt. Große Klasse und großes Grinsen im Gesicht. Zuhause dann gleich Termin beim TÜV ausgemacht. Das ist ja bisweilen so eine Fahrt ins Ungewisse bei dem Verein. Aber zur unverhofften Freude bekam ich alles schnell und reibungslos abgenommen. Ich habe auch schon weitaus weniger konziliante Gestalten dort erlebt - aber das ist eine andere Geschichte. Diesmal jedenfalls: wieder mit großem Grinsen im Gesicht nach Hause gefahren. Das zulässige Gesamtgewicht ist ein Faktor in der Kfz-Besteuerung und so steht im TÜV-Abnahmebericht folglich "Eine Berichtigung der Fahrzeugpapiere ist unverzüglich vorzunehmen.". In der Zeitung stand allerdings, dass wegen Corona sämtliche Ämter der Stadt hoffnungslos überfordert seien und man mit teils wochenlangen Wartezeiten rechnen müsse. So ganz allgemeingültig scheint das obgleich nicht zu sein. Zumindest in meinem Fall war die Panik unnötig - ich hätte sogar noch am gleichen Tag der Abnahme zur Eintragung kommen können. Auch das also erfreulich problemlos. Nach ein bisschen Verwaltungsgedöns und Gestempel hier und da, den neuen Fahrzeugschein entgegengenommen und mit großem Grinsen und mit nun offiziellen 3,5 t nach Hause. Dann noch die Versicherung vom Abschluss der ganzen Geschichte unterrichtet und jetzt ist es geschafft!
3500 kg!
Fahrzeugschein
😁